Die Thaya…

... ein Fluss mit Leben ...

Gewässerstrukturen - Ökologische Maßnahmen beim Hochwasserschutz

Solche Maßnahmen können vielfältig sein Uferabflachungen und Aufweitungen von Flussbetten, Einsatz von Totholz und Struktursteinen zur Schaffung und Initiierung von Gewässerstrukturen, Wiederanbindung von Altarmen etc..

Anwendungsmöglichkeiten von Holz im naturnahen Wasserbau

Angeschwemmtes Totholz (vor allem Stämme) kann bei Hochwasser zu Verklausungen von Brücken und Durchlässen führen. Deshalb wird das angeschwemmte Totholz gerne aus den Bächen und Flüssen möglichst rasch entfernt, oft mehr als notwendig (übertriebener Pflegetrieb). Auf der anderen Seite ist Totholz ein wichtiges Element im Gewässerökosystem. Totholz ist jedoch auch direkter Lebensraum und Nahrungsquelle für das Makrozoobenthos. Als natürlicher Baustoff kann Holz vielfältig z.B. zur Ufersicherung und gegen Sohlerosion im naturnahen Wasserbau eingesetzt werden. Es erhöht die Strukturvielfalt im Gewässer und bietet Fischen Unterstand und Schutz. Bei Elektrobefischungen konnte mehrfach eindrucksvoll belegt werden, dass im Bereich von Holzstrukturen wesentlich höhere Fischdichten vorhanden sind.

Was ist Totholz eigentlich?

Darunter versteht man in den Fluss gestürzte Bäume, Wurzelstöcke, Äste, Schwemmholz oder im Zuge von ingenieurbiologischen Maßnahmen eingebrachte Rauhbäume und Holzstrukturen.

Kombinationen von Holz und Steinblöcken

Steinblöcke und Holzstrukturen können zur direkten Ufersicherung verwendet werden. Durch den kombinierten oder auch alleinigen Einsatz von Holz und Struktursteinen (im Ufer verankerte Rauhbäume, Buhnen etc.) werden nachhaltig vielfältige Habitatstrukturen initiiert wie beispielsweise Entstehung unterschiedlicher Strömungsmuster, Tiefenvarianzen, Kolke etc.. Kolke z.B. sind wiederum bei sommerlichen Niedrigwasserständen von eminenter Bedeutung für die Fischfauna und das Makrozoobenthos.

Was ist das Makrozoobenthos eigentlich?

Als Makrozoobenthos wird die Gesamtheit der im Benthal (Gewässergrund, Vegetation, Holz etc.) lebenden wirbellosen Organismen (Krebse, Muscheln, Schnecken, Egel, Ringel- und Strudelwürmer, Moostierchen, Schwämme, Hohltiere, Insektenlarven etc.) bezeichnet. Hierbei werden die tierischen Organismen bis zu einer definierten Größe (mit dem Auge noch erkennbar) zusammengefasst. Einige Arten, erreichen lediglich eine Körperlänge von weniger als 2 mm, die größeren, z.B. der Edelkrebs, werden durchaus bis zu 20 cm groß. Während Arten wie z.B. Wasserschnecken, Muscheln oder Krebse ihren gesamten Lebenszyklus im Wasser durchlaufen, gibt es viele, die nur das Larvenstadium im Wasser verbringen und nach ihrer Metamorphose zum Landleben wechseln. Zu diesen Arten gehören z.B. Libellen, Köcher-, Stein- und Eintagsfliegen.

Uferrandstreifen mit Gehölzpflanzungen

Ufergehölze erfüllen viele wichtige Funktionen an einem Gewässer: Ufersicherung und -stabilisierung, ökologische Aufgaben (Filterwirkung durch Nährstoffentzug, Gewässerbeschattung), Lebensraum für viele Tiere entlang eines Gewässers, Landschaftsbild etc.. Die Pflege und Erhaltung von Uferrandstreifen mit ihren Gehölzen ist von großer Bedeutung, daher ist bei der Gehölzpflege mit Augenmaß vorzugehen.

Strukturvielfalt bedeutet dass die verschiedensten Habitate für unterschiedliche Fischarten und Altersstadien zur Verfügung stehen. Strömungsliebende Fischarten wie die Nase oder Barbe suchen Kiesbänke zur Laichablage auf, die Eier und frischgeschlüpften Fischlarven benötigen zum Teil den Schotterlückenraum als Schutz in den ersten Lebensstunden und Tagen. Hechte, Karpfen oder Brachsen brauchen als Krautlaicher wiederum eher ruhiges Wasser mit viel Unterwasservegetation, da die Eier dieser Fischarten an den Wasserpflanzen kleben und sich entwickeln, auch bieten Wasserpflanzen die erste Deckung. Andere Fischarten benötigen wieder die Wurzelbärte der Uferstöcke.

Abwechslungsreiche Strukturen mit Totholz, Steinblöcken, Kolken, Kiesbänken, unterspülten Ufern und Wurzelstöcken schaffen eine große Strömungsvielfalt und damit auch gut nutzbare Strukturen für viele Fischarten und Größenklassen sowie für das Makrozoobenthos.

Gewässerstrukturen (Flachwasserzonen mit Kies- und Sandbänken, Wasserpflanzen, strukturierte Uferzonen etc.) sind wichtig als Weide- und Futterplatz, Einstand, Deckung und somit als Lebensraum.

In Abhängigkeit der Zusammensetzung der Gewässersohle können in einem nährstoffarmen Gewässer  etwa 5-10 g/m2 und in einem nährstoffreicheren Gewässer schon einmal bis zu 100 g/m2 Nährtiere vorhanden sein.

Fischwanderhilfen

Flüsse wie die Thaya sind über die Jahrhunderte durch die Wasserkraftnutzung geprägt (Mühlen, Sägewerke, Kleinkraftwerke). Durch diese Nutzung sind die Flüsse durch sogenannte Querbauwerke (Wehre) unterbrochen. Diese Querbauwerke, auch als Kontinuumsunterbrechung bezeichnet, verhindern das Fische und andere wassergebundene Organismen freie Wanderungen durchführen können. Das hat langfristig gesehen negative Auswirkungen auf die Populationsstruktur, Populationsaufbau und Bestandsgenetik.

Warum wandern Fische oder andere Wasserorganismen?

Im Jahresverlauf nutzen Wassertiere unterschiedliche Gewässerlebensräume und führen periodische Wechsel durch. Es gibt Nahrungswanderungen, Laichwanderungen oder Wanderungen zur Überwinterung. Diese Wanderungen sind je nach Entwicklungsstadien unterschiedlich stark ausgeprägt. So gibt es unter den Fischen typische Binnenwanderer wie die Nase, die durchaus Strecken von einigen km zurücklegen wenn sie die Möglichkeit haben.

Populationsaufbau und Artenzusammensetzung eines Fischbestandes sind wichtige Indikatoren für die Beurteilung der nach EU-WRRL und Österr. Wasserrechtsgesetz geforderten Ziele. Daher werden zur Gewährleistung der Durchgängigkeit (freiwillig oder vorgeschrieben nach dem Stand der Technik) Fischwanderhilfen errichtet.

Ist die Funktion einer Wehranlage und das Wasserbenutzungsrecht erloschen, dann wird die Wehranlage entweder auf eine Sohlrampe umgebaut oder es werden Fischwanderhilfen eingebaut. Hier gibt es grundsätzlich 3 verschiedene Grundtypen. Das naturnahe Umgehungsgerinne, naturnaher Tümpelpass oder technische Fischwanderhilfen (Schlitzpass). Es gibt mehrere Kriterien von denen es abhängt welcher Typ gebaut wird: Platzbedarf, Neigungsverhältnisse, Wasserverhältnisse, Fischpopulation, Kosten.

 

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